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Blogeintrag 6

Autor: Chanti | Datum: 19 März 2018, 16:31 | 0 Kommentare

Muraho (Ruandische Begrüßung, wenn man jemanden lange nicht gesehen hat)

Endlich hört ihr wieder von mir. In diesem Eintrag möchte ich euch von dem Zwischenseminar und mein Aufenthalt in Tansania erzählen.

Am 16 Februar ging es los. Um 4 Uhr nachts sind wir (Laura, Feli, Renke und ich) von Kigali (Hauptstadt in Ruanda) zum Zwischenseminar nach Morogoro (Tansania), mit dem Bus los gefahren. Die Busfahrt ging 30 Stunden. Da die Busse in Tansania ab ungefähr halb 1 nachts nicht mehr fahren dürfen, mussten wir bis 6 Uhr morgens mit unseren Bus stehen bleiben. Eine Raststätte, Hotel, MC Donalds oder Burgerking gab es nicht. Ein kleines Toiletten Häuschen, leere Stände und der Bus war also alles was uns blieb. Irgendwie haben wir dann die Zeit totschlagen können. Kurz bevor es dann weiter gehen sollte, habe ich gemerkt, dass mein Reisepass und meine 16 Dollar nicht mehr in meiner Tasche waren. Mein Herz ist kurz stehen geblieben. Ich habe sofort angefangen alles abzusuchen und die Leute im Bus zu fragen ob sie irgendwas gesehen haben. Ein Mann ist dann nochmal mit mir nach draußen gegangen um dort nochmal die Leute zu fragen und zu suchen. Doch vergeblich…

Der Bus wollte weiter ich musste also wieder in den Bus einsteigen. Mit Verzweiflung und Tränen in den Augen saß ich nun da im Bus, der gerade Abfährt. Auf einmal höre ich von hinten im Bus die Leute „Passport Passport“ (Englisch für Reisepass) rufen. Ich habe nur noch Stop zum Busfahrer geschrien, der dann auch gehalten hat. Hinter dem Bus ist ein junger Mann hinterher gerannt, mit meinem Reisepass in der Hand. Der junge Mann hat mir den Reisepass dann durch das Fenster wieder gegeben. In diesem Moment war ich einfach nur über glücklich und die Leute im Bus haben sich mit mir gefreut und „Halleluja“ gerufen. Ich weiß nicht wie der Reisepass verschwunden ist, ob er geklaut wurde oder ich ihn verloren habe, wie er dann zu den Mann gekommen ist und wo die Dollar sind. Das alles war mir in diesem Moment aber auch egal, Hauptsache ich habe mein Reisepass wieder.

Am Nachmittag sind wir dann endlich in Morogoro beim Zwischenseminar angekommen. Wir alle waren fix und fertig von der langen Fahrt, die mit Sicherheit alles andere als angenehm war. Zum Glück hatten wir genug Zeit um anzukommen, zu duschen und uns etwas aus zu Ruhen. Als dann nach und nach die anderen Freiwilligen  von verschieden Organisationen eingetrudelt sind, ging es mit einer Vorstellungsrunde und den Plan für die Woche los. Insgesamt bestand unsere Gruppe aus 19 Freiwilligen alle kamen aus Deutschland. Die meisten der Freiwilligen haben ihre Einsatzstelle in Tansania, nur wir vier kamen aus Ruanda und eine sogar aus Ägypten. Sie ist extra für das Zwischenseminar nach Tansania geflogen.

Pia und Merle haben mit uns zusammen das Zwischenseminar durchgeführt. Die Woche in Morogoro hat mir sehr gut gefallen. Wir hatten alle sehr intensive Gespräche, was ich total schön finde. Bei jedem läuft so ein Freiwilligendienst anders ab. Jeder von uns hat verschiedene Sachen erlebt, geht mit Situationen anderes um und nimmt sie total unterschiedlich wahr. Man kann von einander gut lernen aber auch seine eigene Meinung zu manchen Themen vertreten. Insgesamt hatten wir in Morogoro eine schöne Zeit, mit viel Sonnenschein, heißen Temperaturen, leckeres Essen und einen tollen Austausch.

Die nächsten Süd-Nord Freiwilligen die jetzt aus Ruanda, Kongo und Tansania für ein Jahr ein Freiwilligendienst in Deutschland machen, hatten zu der gleichen Zeit ihren Deutsch Sprachkurs, auf demselben Gelände, wie wir. Es war super lustig mit ihnen deutsch zu sprechen und ihn etwas von der deutschen Kultur zu erzählen. Jeder von ihnen hat eine tolle und herzliche Persönlichkeit und ich freue mich schon den ein oder anderen bei der VEM in Deutschland wieder zu sehen.

Als das Seminar vorbei war, sind Laura, Paul, Renke, Moritz, Paula und ich nach Daressalam für ein paar Tage gefahren, das durften wir uns nicht entgehen lassen. Wir waren auf einer halb Insel in einem Strand Resort. Es war wunderschön, wir haben in kleinen Bambushütten direkt am Strand übernachtet und morgens ist man von dem Geräusch der Wellen wach geworden, einfach traumhaft. Diese paar Tage Strand und Relax Urlaub haben wir uns auch wirklich verdient.

Nach dem Urlaub ging es dann wieder rein in den Bus. Laura und ich sind mit zu Paul (ein VEM Freiwilliger) nach Bukoba (Tansania) gefahren. Das liegt so ungefähr auf dem Rückweg dachten wir. Der Bus ist aber zu langsam gefahren, sodass wir dieses mal 35 Stunden unterwegs waren mit Nachtpause. Bei dieser Busfahrt habe ich mir geschworen sowas nie wieder zu  machen, aber es hat sich doch gelohnt. Bukoba ist eine schöne Stadt direkt am Viktoria See. Auch das Haus von Paul ist wie eine Ferienwohnung mit wunderschönem Ausblick auf dem See. Paul hat uns viel gezeigt, seine Arbeitsstelle, die Stadt und wir haben wieder viele neue nette Menschen kennen gelernt.

Nach 5 Tagen Bukoba haben Laura und ich uns dann wieder auf den Rückweg nach Ruanda gemacht. Diesmal waren es dann 12 Stunden Busfahrt nach Kigali und für mich dann noch 3 weitere Stunden von Kigali nach Rubengera. Jetzt habe ich auch erstmal wieder die Schnauze voll von Busfahrten.

Leider wurden mir in Ruanda in der Nähe der Tansanischen Grenze mein Handy und meine Powerbank geklaut. Wie das genau passiert ist kann ich mir selber auch nicht erklären, es ging alles sehr schnell. Was mich am meisten daran ärgert, ist das alle Bilder und Kontakte weg sind. Ich musste mir also eine neue Handynummer besorgen und zum Glück hat mein Vater sein altes Handy hier gelassen, was ich jetzt benutzen kann.

Seit dem ich in Rubengera bin arbeite ich wieder. Im Moment habe ich auch sehr viel zu tun, da der erste Term vom Schuljahr vorbei ist und die Schüler/innen wieder Arbeiten schreiben müssen. Ich muss also Vorbereiten, Korrigieren und die Schüler benoten die ich Unterrichte. Als ich das gehört habe kam bei mir erstmal ein Panik Gefühl auf. Wie soll ich das machen? Ich weiß doch gar nicht wie das geht? Ich bin doch gar keine richtige Lehrerin? Wie soll ich in so kurzer Zeit 219 Schüler/innen benoten? Ich hatte also keinen Plan von Nichts. Doch alles halb so wild. Mir wurde von den anderen Lehrern sehr geholfen und das mit dem Zeitfenster habe ich total falsch verstanden. Außerdem unterrichte ich zum Glück keine Hauptfächer und bin daher total frei wie und in was ich meine Schüler benote.

Ich hoffe ihr hattet Spaß am Lesen und ihr werdet von mir hören.

Ich schicke euch die liebsten Grüße aus dem regnerischen Ruanda (Bis Ende April ist jetzt Regenzeit)

Eure Chantal KleefmannSmile